Die größten Vorurteile bei Borderline
(Zusammenfassung by Cluster0815 alias Shanky-TMW)
Einleitung
Vorurteile gibt es für fast Alles und jeden.. So auch für die Borderline Persnlichkeits Strung (BPS) (engl. Borderline Personality Disorder (BPD)). Es schmerzt, wenn man ständig Vorurteile an den Kopf geworfen bekommt und ist ermüdend, dagegen ankämpfen zu müssen. Und leider geben Vorurteile ein allzu falsches Allgemeinbild wieder. Auch zu der Borderline Persönlichkeits Störung gibt es eine Menge davon, zu viele, um sie alle aufzulisten und doch genug, dass wir einen Erklärungs- und Entkräftungsversuch wagen wollen. In Zusammenarbeit mit Betroffenen und auch Angehörigen durch Diskussionen im Forum und auch durch Themenchats, ist eine Menge an Material herausgekommen, dessen Ergebnisse wir überarbeitet in diesen Text wieder geben möchten. Wir haben uns bemüht, das alles so verständlich wie möglich zu gestalten, ohne uns nur in Fachbegriffen zu verstricken oder das Ganze in einer Art medizinischer Abhandlung zu formulieren, die nur Ärzte und ggf. Betroffene verstehen können. Aber da so mancher Fachbegriff nicht ausbleibt, sind diese auch zu den betreffenden Wiki Einträgen verlinkt. Auf der anderen Seite wird dieser Text auf eine andere Art und Weise auch ein Stück weit die komplexe Art der Symptomatik von Borderline wiederspiegeln. Auch Theorien, wie oder warum diese Vorurteile entstanden sein könnten, haben wir aufgestellt und mit eingearbeitet, wobei leider so Einiges nur auf Spekulationen beruht.
Da wir uns nicht nur an Betroffene, sondern auch an Angehörige und Interessierte wenden wollen, setzen wir an dieser Stelle noch eine TRIGGERWARNUNG. Denn zum besseren Verständnis wurde so Einiges normal ausgeschrieben, was in Foren oder Chats z.B. mit dem Ersetzen von * bei Umlauten oder andere Abk.-Arten sonst umschrieben wird.
Zu Anfang wollen wir drei große Fragen klären:
Wer stellt solche Behauptungen pauschal in den Raum?
Eigentlich grundsätzlich jeder. Vor allem Kleingeister, die nur Ihre eigene Meinung der Dinge vertreten wollen und sich nicht einmal die Mühe machen, etwas mehr über BPS heraus zu finden. Von diesen Menschen kommen oft Vorurteile in Form reinster Stammtischparolen. Aber auch andere Menschen, wie z.B. Lehrer und andere soziale Berufsgruppen halten diese Vorurteile gern hoch. Das mag vor Allem daran liegen ,dass diese Menschen ihr Wissen über BPS gerade mal aus ein paar Pflichtkursen und Seminarveranstaltungen haben und Ihr Wissen nur wegen fehlender Akkreditierungspunkte dahingehend erweitern, aber sich ansonsten nie wirklich mit dem Thema auseinander setzen müssen. Lediglich die Überschriften einzelner Symptome und Verhaltensweisen bleiben da oft hängen und werden dann als passendes Vorurteil pauschalisiert. Ähnlich auch so manches Kranken- und Pflegepersonal, die beruflich nicht immer mit BPS zu tun haben. Aber auch Ärzte und Psychologen schmettern einem das ein oder andere Mal die Verallgemeinerungen entgegen. Meistens mehr bedingt wegen besonderen Situationen, schlechter Laune zum Beispiel, denn auch Therapeuten sind nur Menschen. Aber auch weil Sie jemandem bei einer frischen Diagnose versuchen auf einfache Weise BPS zu erklären und ihr Gegenüber erst nicht versteht worum es da überhaupt geht. usw. usw. usw.
Und bekommen nur Borderliner diese Vorurteile zu hören?
Nein, durchaus nicht. Auch Angehörige oder diejenigen die sich aus Beruflichen Gründen, oder einfach nur aus Interesse damit befassen, bekommen so manche dieser falschen Äußerungen zu hören.
Und gibt es einen Unterschied zwischen Diagnostizierten, Therapierten und nicht therapierten Betroffenen?
Es war eine Grundsatzfrage in den Diskussionen, wie auch eine Art weiteres Vorurteil, mit dem man so manchen Zusammenhalt diverser anderer Vorurteile zu begründen versucht. Auch wenn es einigen nicht wichtig erscheint, wollen wir dies ein wenig erklären. Es gibt viele Menschen, die an BPS leiden, aber die Diagnose nicht wahrhaben wollen. Dementsprechend keinerlei Behandlung erfahren, sich auch nicht weiter mit dem Thema auseinander setzen. Andere sind diagnostiziert, aber noch nicht behandelt worden. Es dauert lange Therapieplätze zu finden, diese auch zu bekommen. Auch die Wartezeiten bei Therapeuten dauern, und natürlich kommt es oft vor, dass einem ein Therapeut oder dessen Methoden nicht zusagen und man diesen wechseln muss. Grundsätzlich aber können wir nur sagen, dass jeder, der die Diagnose akzeptiert hat und sich damit auseinander setzt, sich weiter über BPS informiert und sich dadurch auch sein Verhalten gegenüber denen ändert, die ihre Diagnose nicht anerkennen, bzw. ihr Zustand bisher von niemanden erkannt wurde. Aber generell Rückschlüsse auf den Zusammenhang der Vorurteile oder das sie nur durch die eine oder andere Gruppe Erkrankter entstanden sind ,lassen sich hier wirklich nicht ziehen.
Bevor wir nun zu den Vorurteilen selbst kommen, noch einleitend ein kleines Detail, das noch gesagt werden muss, um die folgenden Ausführungen nicht vollends misszuverstehen. Fast jedes der aufgeführten Vorurteile enthält, wie eigentlich fast jedes andere Vorurteil auch, einen wahren Kern und berufen sich auf wahre Aussagen von aufkommenden Verhaltensweisen. ABER: die Krankheit an sich und alle möglichen Arten der Begleiterscheinungen, von Diagnosen und Nebendiagnosen ,die bei jedem Menschen völlig verschieden sind, machen es einfach unmöglich, alle Betroffenen damit über einen Kamm zu scheren. Doch auch, wenn das ein oder andere hier und da zutreffen mag, sind und bleiben diese Aussagen falsch verallgemeinernde Vorurteile.
Die Vorurteile und der Versuch der Erklärungen und Entkräftungen
Womit fangen wir an? Vielleicht am besten erst mal mit diesen typischen Gassenhauern, die oft wegen Erklärungsmangel gebraucht werden, nur um vorzugeben Irgendetwas über BPS zu wissen:
"Borderliner? Ich finde, dass sollte sich kein normaler Mensch antun!"
Nun, zu dem ersten Vorurteil braucht man nicht viel zu sagen. Das ist eigentlich reinstes Dummgeschwätz. Gut, als eine Art "Running Gag" unter Borderlinern hört man das vielleicht auch ab und zu, denoch ein Rat an alle nicht Betroffenen: am besten man lässt sich nicht dazu hinreißen diesen Satz oder etwas Änliches zu sagen. Auch als informierter nicht-Borderliner wirkt man damit nur allzu oft ungewollt verletzend, selbst wenn man nur die Asicht hatte, die allgemeine Stimmung damit ein wenig per Galgenhumor aufzulockern. So was funktioniert meistens leider nur unter Borderlinern, die sich schon ein wenig kennen.
"Borderline? Au, das dauert lange und irgendwie wird man das wohl auch nie los!"
So oder ähnlich klingend, ist diese Aussage nicht so ganz falsch. Eine BPS dauert wirklich lange, genauer gesagt ein Leben lang und gilt tatsächlich als nicht wirklich heilbar. Was bei dieser Aussage in schriftlicher Form schwer wieder zu geben ist, ist mehr die Betonung des Satzes. So in der Form eines Melders der "Hey, ich weiß was" ruft, aber in Wahrheit rein gar nichts weiß, als diese allgemeine Phrase. Und natürlich auch ein beliebter Satz in ähnlicher Form bei Medizinern und Therapeuten, die damit zuerst einmal versuchen zu erklären, was auf einen mit BPS grundlegend zukommt. Auch hier kommt es auf die Betonung an. Borderline Erkrankte und Angehörige sind völlig normal und klar denkende Menschen. Deshalb wirkt der Satz wohl am verletzendsten, wenn man das Ganze so intoniert, als würde man das gerade einem Kleinkind sagen und dabei auch noch den Satzaufbau verwenden, den wir hier speziell gewählt haben. Im allgemeinen Sozialverhalten untersuchen gerade Betroffene bei Konversationen, die Äußerungen und Kommunikationssignale (Gestik, Mimik, Sprechweise) sehr intensiv auf bestimmte Merkmale. Das kann aus Misstrauen (resp. Angst) geschehen oder wegen möglicher Kränkungen (resp. brüchiges Selbstbild). In unserem Beispiel das Wort "AU" wegzulassen macht schon viel aus und verändert das Gesprochene völlig (natürlich auch mit passender Betonung).
"Borderline haben nur Frauen"
Das ist ein anderes weit verbreitetes Vorurteil. Eine Behauptung, die definitiv völlig falsch ist. Denn es kann auch Männer betreffen. Das Einzige, was man als richtig aus dieser Aussage herauslesen kann ist, dass es früher tatsächlich überwiegend nur bei Frauen diagnostiziert wurde, als die Art der Psychischen Störung gerade noch erforscht wurde und auch heute der Prozentanteil der Erkrankten bei Frauen mit 70-75% an Erkrankten höher ist als bei Männern (Wiki: BPS - Verbreitung). Woran das nun genau liegen mag, darüber kann man nur spekulieren.
"Borderliner wurden als Kind missbraucht"
Das ist ein weiterer Klassiker unter den Vorurteilen. Es ist schon richtig, dass Missbrauch im Kindesalter oft eine Ursache ist. Fakt ist, dass es viele verschiedene Ursachen haben kann. Das kann genetisch bedingt sein, durch schwere seelische Traumata verursacht werden, die nie richtig verarbeitet wurden (vor allem in der Kindheit) oder eine der etlichen andern Ursachen und Entstehungstheorien beinhalten. Eine Auflistung findet sich bei Wikipedia BPS: Ursachen - Möglichen Faktoren & Entstehungsmodelle. Und natürlich gibt es noch das klassische Gegenstück dazu als Vorurteil:
"Borderliner neigen grundsätzlich zu Kindesmissbrauch"
Ist das wirklich so, dass Borderlerliner genau dasselbe tun was ihnen angetan wurde? Eigentlich handelt es sich bei dieser Aussage schlichtweg nur um eine Pauschalisierung, also eher Stammtischpolemik. Es stimmt, dass Missbrauchsopfer sicher auch dazu neigen können dieses Verhalten zu reflektieren und genauso zu handeln, aber grundsätzlich haben Borderliner viele andere Probleme und leiden eher unter Beziehungsängsten, und es zeigt sich generell eher ein Distanz-Verhalten, Anhedonie (Lust- & Freudlosigkeit) oder Promiskuitt (ständig wechselnden Partnern, meist eher als Selbstverletzendes Verhalten anstelle der Suche nach einer realen Bindung) anstatt dem Drang das Missbrauchsverhalten selbst durchzuführen. Als Übergang können wir auch gleich
"Borderliner haben ein Sex-Verhältnis nach dem anderen"
"Borderliner können nie treu sein."
unter den Vorurteilen betrachten. Promiskuitt haben wir ja vorhin erwähnt. Es ist leider tatsächlich ein Teil der BPS, die aber nicht unbedingt auf jeden Betroffenen zutreffen muß. Die zweite Aussage darunter hört man oft in Verbindung mit diesem Vorurteil. Natürlich, Betroffene sind auch nur normale Menschen, und die Gefahr des Seitensprungs ist genauso wie bei anderen Menschen auch situationsbedingt vorhanden. Sicher wurde gerade dieses Vorurteil aus dem Vorangegangenen geprägt. Dennoch sind Borderliner, trotz Beziehungsstörungen, durchaus treu, aber auch sehr Emotional geprägt in ihren Beziehungen und zum Beispiel mehr durch Verlassensängste geplagt ,als ein nicht Betroffener - was natürlich auch wieder zu Problemen führen kann.
"Männliche Borderliner sitzen alle im Knast, sind gemeingefährlich."
Hier noch ein Vorurteil, das sich ausschließlich auf Männer bezieht. Dieser Aussage kann man nur soviel Wahrheitsgehalt entnehmen, dass es tatsächlich auch straffällige Häftlinge gibt, die an BPS leiden. Und die Gemeingefährlichkeit? Es stimmt, ein Teil der Krankheitssymptome sind sicher auch eine gesteigerte Aggressivität, die durch verschiedene Ängste oder Emotionalen und erhöhte soziale Belastungen ausgelöst wird, und auch durchaus bis zu Handgreiflichkeiten führt. Aber auch das ist verhaltensbedingt bei jedem Borderliner anders oder muß in dieser Form nicht einmal ausgeprägt auftreten. Es ist schwierige, das Alles genau zu erklären, ohne fast alles über Borderline wiederzugeben, deshalb verweisen wir erläuternd zu Wikipedia: schwarz/weiß Denken, Komponenten der BPS, Sozialverhalten, Ausprgungen der BPS & Symptomniveaus - und hoffen, dass diese Abschnitte mehr über die Zusammenhänge von aggressiver Verhaltensweise erläutern können, als wir es entkräftend in einen winzigen Textabschnitt jemals zufriedenstellend tun könnten. Zu dem Thema aggressive- und auch soziale Verhaltensweisen werden wir zu einem späteren Zeitpunkt noch ein paar mehr Vorurteile auseinander nehmen.
"Borderline sind "Sozialkrüppel" und "Hartz4 Empfänger"
Zu diesem Vorurteil braucht man nicht viel Entkräften, denn es ist reinste Stammtischpolemik und absurder Quatsch. Sozialkrüppel, wie Harz4 (ALG II) Empfnger bzw. Sozialhilfeempfnger auch oft tituliert werden, ist ein Sozial- bzw. eher ein finanzieller Armutszustand, aber keine Krankheit. Nicht einmal die Stammtischthese, dass alle ALG2 Empfänger stärker borderlinegefärdet sind, als Menschen mit Job, ist haltbar. Noch viel weniger, wenn man bedenkt ,dass man ALG II auch unterstützend zum Lohn, wenn das Einkommen niedriger als der finanzielle, gesetzlich festgeschriebene Grundbedarf ist, zusätzlich beantragen und beziehen kann. Natürlich ist es durchaus möglich, dass ein Mensch mit BPS und anderen Symptomen auch den Status eines Schwerbehinderten zugesprochen werden kann und dadurch nicht mehr arbeitsfähig ist und von Sozialhilfe und/oder Krankengeld und sogar Frührente leben muss. Und gesellschaftsbedingt ist auch der ALG2 Bezug möglich, aber all das steht auch Nicht-Borderline Betroffenen zu. Genauso wenig ist es ein Auslöser der Krankheit an sich. Kurz, diese Aussage kann getrost als reines Ammenmärchen abgetan werden, das wahrscheinlich nur von minderbemittelten Kleingeistern als Hetzparole Verwendung findet, die ohnehin niemand allzu ernst nehmen kann.
"Du versteckst dich ja nur hinter deiner Krankheit um nichts mehr tun zu müssen."
zielt auf ähnliche Art, wie das vorangegangene Vorurteil. Nur, dass Einem hier profan Faulheit unterstellt wird. Aber sind Borderliner wirklich faul? Manche mögen eingeschränkt arbeitsfähig sein, aber das macht sie noch lange nicht zu Faultieren. Das BPS eine sehr, sehr lange Therapiephase hat und man deshalb auch nicht immer so kann, wie es bei einem normalen, nicht unter BPS leidenden Menschen der Fall ist, liegt auf der Hand.
"Borderliner sind nur verzogene Gören."
Sind Borderline Betroffene wirklich nur falsch erzogen worden? Was den Punkt Erziehung anbelangt, müssen wir leider eingestehen, dass es tatsächlich vorkommen kann, dass ein paar der Probleme durch gewisse Dinge, wie Liebesentzug, frühkindlicher Ablehnung oder Missbrauch zu verschiedenen Verhaltensstörungen führen. Vielleicht begründet sich dieses Vorurteil auch durch Betroffene, die die Narzisstische Persönlichkeitsstrung mit in ihrer Diagnose haben und dadurch entsprechende Verhaltensweisen haben, die man auch zu gern verzogenen Gören nachsagt. Doch wenn man sich den Satz genauer ansieht und ihn so stehen lässt, würde das eigentlich bedeuten, dass jedes zu sehr verwöhnte Kind (verzogene Göre) an BPS leiden würde. Aber genau das ist schlichtweg kompletter Unsinn.
Und hier ein paar spezielle Päckchen, bei denen die Diagnose, ja die Krankheit selbst, in Frage gestellt oder als nicht existent klassifiziert werden. Doch bevor wir die einzelnen Aussagen auseinander nehmen, sollte man sich folgendes vor Augen halten:
Zunächst sollte berücksichtigt werden, dass die möglichen sozialen Ursachen zugenommen haben (Beispiele hierfür wären Arbeitslosigkeit, instabile Familien und Einsamkeit). Der Kern jedoch ist, unserer Meinung nach, ein anderer. Bekommt jemand die Diagnose "Borderline Persönlichkeitsstörung" gestellt, so hatte der Betroffene auch davor mit jeder Menge Problemen zu kämpfe, die nichts mit alldem zu tun haben. Unterstützung und Verständnis ist hier wichtiger.,anstatt Diagnosen zu disskutieren.
"Es ist ja eine Modekrankheit und wenn man nix findet bekommt man eben Borderline als Diagnose."
oder allgemein gesagt: "Borderline ist nur eine Modediagnose-krankheit"
"Borderliner gibt es gar nicht, dass ist keine Krankheit, sondern Einbildung."
Ein paar sehr unfaire und schmerzvolle Vorurteile, die auch oft nur von Menschen verwendet werden, die weder mit Borderline etwas anzufangen wissen ,noch sich damit jemals befassen wollen. Es betrifft sie nicht, sie haben noch nie davon gehört und können sich auch beim besten Willen nichts darunter vorstellen. Interessant ist auch, dass hier oft sehr engstirnige Denkweisen ausgeprägt sind und die engere Familie um denjenigen, der diese Art Vorurteile ausspricht, grundsätzlich nach eben den Prinzipien des Vorurteilsbehafteten zu leben haben. Für alles andere ist kein Platz. Ohne beleidigend werden zu wollen, stellt sich da immer die Frage, ob da nicht selbst gewisse Störungen in der Sozialstruktur vorhanden sind. Aber dies ist auch nur eine gewagte Spekulation. Auf der anderen Seite, diagnostiziert man BPS auch erst offiziell seit ca. 30 Jahren. So mancher älterer Mensch hat dadurch bedingt auch seine Probleme damit und verstrickt sich dann in dieselben Vorurteile, was hier aber eher verständlich ist.
Ach, die Probleme hat doch jeder, Du steigerst Dich da nur rein.
Jetzt reiß Dich mal zusammen, dann geht das schon.
Du, und Borderline, du wirkst doch völlig normal und gesund
Wenn man immer nur den Kopf in den Mist steckt, ist es klar, dass es einem Scheiße geht. Denke positiv, dann geht das alles schon.
Ein kleines Sammelsorium an verdrängenden Aussagen und Phrasen, die vor allem Betroffene oft von Menschen aus Ihrem näheren Umkreis hören. Eltern, Verwandte, Freunde und evt. auch dem ein oder anderen Arbeitskollegen oder Chef. Einfach aus der Not heraus geboren, mit ähnlichen Hintergründen, wie die Behauptung einer Modekrankheit. Nur, dass die entsprechenden Personen zwar versuchen sich damit auseinander zu setzen, sich diese Probleme für Sie eher normal anhören oder schlichtweg meist damit überfordert sind, jemanden mit BPS zu kennen. Oder man versucht Ihnen die Merkmale eines Hypochonda oder rein BIID Erkrankten einzureden, was auch schlichtweg falsch ist, auch wenn beides ebenfalls Teil einer BPS Störung sein kann. Was sicher auch auf dem wahren Kern beruht, denn so mancher Borderline Erkrankte leidet auch unter einer eignen Pallette an diversen Ängsten - ebenfalls eine Erkrankung, die auch bei anderen Krankheitsbildern vorzufinden ist.
Weitere besonders bösartige Vorurteile sind diese:
"Du kannst ja gar kein Borderline haben, die sind ja alle total durchgeknallt"
"Borderline ist ne Indikation für die Klapse"
"Borderline? Ist das nicht eine ganz schwere Geisteskrankheit, so wie die Schizophrenie?"
Sicher, Borderline bedeutet unter anderem, das psychische Probleme vorhanden sind und man auch Kliniken zwecks Therapien aufsuchen muss. Und gerade deswegen wird bei der zweiten Behauptung einfach verallgemeinert und jeder Borderliner mit jemanden aus einer geschlossenen Irrenanstalt gleich gesetzt, ohne daran zu denken, dass jeder Borderliner ein Mensch wie jeder andere ist, der nur eben die Merkmale von BPS aufweist. Womöglich haben sich diese Aussagen auch aufgrund der oft vorhandenen Paranoiden Persnlichkeitsstrungen, Schizophrenie oder Dissoziationen entwickelt, die Teil der Borderline Erkrankung sind. Doch jeder von ihnen ist in der Lage, sein Leben normal zu gestalten, ein normales Gespräch zu führen und geht auch normalen Berufen nach, und niemand von ihnen muss ,trotz der ein oder anderen individuellen krankheitsbedingten Einschränkungen, gleich in eine geschlossene Anstalt weggesperrt werden.
"Borderline ist eine ganz schlimme Erkrankung an der Grenze zur Psychose."
Borderline wurde ursprünglich tatsächlich als eine Störung zwischen Neurose und Psychose eingeordnet, von daher stammt auch der begriff ("Grenzlinie"). Heutzutage betrachtet man Borderline jedoch als Persönlichkeitsstörung.
Psychotische Symptome können v.a. in stark belasteten Phasen der Erkrankung auftreten, sie sind aber meist vorübergehend und haben meist auch einen etwas anderen Charakter als die Symptome einer psychotischen Erkrankung. (z.B. bleibt der Realitätsbezug bei an Borderline erkrankten Menschen in höherem Maße erhalten.)
"Borderline? Dass sind doch die, die den Kühlschrank leer fressen und sich dann selbst verstümmeln, oder?"
Auch diese Aussage ist so pauschal aussagend nicht wirklich zutreffend, aber leider auch nicht völlig falsch. Es stimmt das Body Modification und auch Piercing infolge eines Selbstverletzenden Verhaltens (SVV) mit ein Symptom von Borderline sein kann. Auch Body Integrity Disorder (BIID) ist manchmal ein Teil davon. Doch reine Verstümmelung an sich, ist eher eine Handlung ,die mehr bei wirklich schweren Fällen von Geisteserkrankten vorfinden kann. Solchen schweren Fälle haben mit Borderline wieder nichts mehr gemein und sind tatsächlich eher Fälle die in einer Psychiatrischen Anstalt besonderer Pflege unterliegen. Zu dem Thema SVV gibt es noch ein paar weitere Vorurteile, aber zuerst noch einmal kurz zu der Kühlschrankaussage. Es ist tatsächlich zutreffend, dass auch das Krankheitsbild einer oder mehrer Essstörungen zu einer Borderline Diagnose gehört. Und natürlich sollte nicht unerwähnt bleiben, dass sich Essstörungen im weiteren Verlauf der Erkrankung auch in verschiedenste Formen dieser Art der Störung wandeln können. Allerdings gibt es durchaus auch Borderline-Erkrankte, die wiederum keinerlei Hang zu Essstörungen haben und nicht darunter leiden.
"Die hat sich geritzt - die hat Borderline!"
"alle Borderliner Ritzen"
"Borderliner verletzen sich grundsätzlich."
"Zeig mal Deine Arme her?" - (wenn keine sichtbaren Narben zu sehen sind) "Nein, Du hast kein Borderline."
Auch wenn diese Vorurteile einen entscheidenden Wahrheitsfaktor haben, müssen wir hier gleich eine ganze Reihe an Aufklärungsarbeit leisten.
Vor allem Folgendes: Entgegen der weit verbreiteten Meinung, verletzt sich nicht jeder Borderliner selbst. Dazu kommt noch, wenn ein Borderliner mit der Zusatzdiagnose Selbstverletzenden Verhaltens (SVV), muß sich dies keineswegs nur auf das Schneiden beschränken oder auswirken. Die Formen von Selbstverletzendem Verhalten sind sehr vielschichtig. Zum Beispiel: Verbrennungen, Verätzungen, bewusst riskante Lebensweise, sich selbst schlagen - ja sogar Alkoholismus, Drogenkonsum, Piercing, Tätowierungen, Body Modification oder die Arbeitswut eines Workaholics kann durchaus auch ein Resultat von SVV sein. bedacht wurde
SVV ist dabei nicht allein auf BPS beschränkt, es kann unter anderem auch auftreten bei: Missbrauchserfahrungen, Deprivationen (Entzug von Zuwendung und "Nestwärme"),Traumatisierungen, Depressionen, alle möglichen Arten von Essstrungen, Körperschema-Strungen (Body Integrity Identity Disorder), Zwangsstörungen, schweren Zurücksetzungen und Demütigungen, psychotischen oder schizophrenen Schüben (sowie bei ähnlichen seelischen Störungen), Posttraumatische Belastungsstörung (zum Beispiel durch Kriegserlebnisse) und auch bei geistiger Behinderung oder Autismus. Und diese doch recht lange Liste ist nur ein Auszug und bei Weitem nicht vollständig.
Da man zu dem Thema SVV ganze Bücher füllen könnte und es für sich fast genauso komplex ist wie BPS selbst, verweisen wir an dieser Stelle auf die Wiki Seite SVV. Eine wesentlich umfangreichere Ausführung des Krankheitsbildes und auch eine Reihe von genauso interessanten Geschichtsdaten, die leider noch nicht den Weg auf die deutsche SVV-Wiki vorzufinden sind, kann man auf den eng. Wiki Seiten Self Injury, bzw. Self Mutilation Behavior nachlesen.
Ergänzend erwähnt werden muss, das SVV während der Pubertät auftreten kann, besonders wenn Jugendliche eine Art Modetrend folgen oder das Ritzen oder Schneiden ausprobieren. Ein Phänomen ,das sich auch erst in jüngster Zeit herauskristallisiert hat. Dementsprechend hat sich ein weiteres Vorurteil gebildet, das wir uns bis zu dieser Stelle aufgespart haben und vor allem bei Jugendlich tatsächlich zutreffen kann:
"Du hast ja nur Borderline, um irgendwo zuzugehören. Damit Du einer Gruppe angehörst."
Aus dem oben genannten Grund, aber auch, weil man so manche Gruppierungen wie zB. die Punks, Gothics und vor allem Emos einfach in einen Topf wirft. Das mag vor allem daran liegen, dass - um bei dem Beispiel Emo zu bleiben - eine gewisse Verhaltensähnlichkeit dieser Gruppen zu wirklich Borderline Erkrankten vorhanden ist. Auch folgendes Vorurteil mag zum Teil deswegen entstanden sein:
"Borderliner? Die sind doch nur überlebensfähig, wenn sie entweder in einer Klinik untergebracht sind oder ihre Umwelt und Mitmenschen tyrannisieren können...außerdem sind die, glaube ich sehr wehledig und inkonsequent!"
Einige Teile dieser Aussage haben wir ja schon an anderer Stelle erklärt und entkräftet. Zu dem Thema Tyrannisieren kommen wir noch, aber zu der letzten Aussage müssen wir einen kleinen Vergleich mit einer der Szenengruppierungen ziehen, um das vermutliche Entstehen zu erläutern (Wir entschuldigen uns schon im Vorfeld dafür, wenn diese Erläuterungen ein wenig holprig und nicht in allen Formen ausführlich sind. Genausowenig wollen wir diese Szene abwerten): Emo (Emocore = Emotional Core) ist ursprünglich eine Abspaltung der Hardcore-Punkszene. Diese haben inzwischen eine eigene Art Lebens- und Verhaltensweise geprägt, bei der nicht nur die sehr emotionale Musik auffällig ist. Schwarze Kleidung, die in Pink oder schwarz betonten Augenlieder und dunkel gefärbten Haare (bzw. Haarsträhnen) sind typische äußerliche Merkmale eines Emo. Ein fast antrainiertes ,besonders emotionales Verhalten, das fast mit Schwermut oder Depressivität gleichzusetzen ist und so manchen Emo auch als weinerliches Etwas verschrien ist, ist ein anderes Merkmal. Teils wird auch als Modetrend SVV betrieben. Es bleibt nicht aus, dass auch so mancher Emo ein tatsächlich an Borderline oder BPS typischen Symptomen leidet. Dennoch sollte man weder bei Emos noch BPS Alles verallgemeinern. Aus dieser Erkenntnis heraus sollte nun jedem klar sein: Borderline ist definitiv KEINE Szenengruppe, der man angehören kann, sondern eine echte Erkrankung.
"Borderliner sind inkonsequent/unzuverlässig."
Diesen Satz beleuchten wir noch einmal kurz. Warum er entstanden ist? Da mag es viele Gründe geben ,die aus den verschiedenen Sichtweisen desjenigen stammen, die dieses Vorurteil geprägt haben. Ähnlich wie die Aussage: Es stimmt teilweise, bedingt durch so manche Verhaltensweise, vor allem ausgeprägt bei diversen Ängsten oder anderer Verhaltensmuster, kann so ein Eindruck leicht entstehen oder ein solches Verhalten auftreten. Dazu leiden einige zusätzlich auch an AD(H)S., aber alle Borderline Erkrankten über einen Kamm zu scheren und Ihnen das nach zu sagen, wäre mehr als nur unfair. Krankheitsbedingt können natürlich auch höhere Fehlzeiten auftreten oder die Arbeitskraft eingeschränkt sein, was es besonders gegenüber Arbeitgebern schwer macht von diesem Vorurteil abzurücken. Auch wenn Termine aus allen möglichen auftretenden Verhaltensmustern nicht eingehalten werden oder dank der typischen schwarz/wei - ja/nein - gut/bse Denkweise ohne Raum für eine Grauzone/ dem Platz dazwischen/ der Kompromissbereitschaft ein bestimmtes Verhaltensmuster auftritt, Dinge angefangen und nicht beendet werden. Auch das typische, ständig abwechselnde extreme Idealisieren oder Entwerten seiner Mitmenschen, trägt Vieles dazu bei. Durch all das ist auch folgendes Vorurteil wohl entstanden:
"Borderliner sind einfach nur Egoisten, die nur an sich und ihre Bedürfnisse denken, sie aber anderen nicht zugestehen."
"Borderliner sind Blutsauger."
Diese beiden Aussagen sind schlichtweg auch nur eine Verallgemeinerung dieser auftretenden Verhaltensweisen, die alle sehr unterschiedlich sind und nicht zutreffen müssen - schon gar nicht alles auf einmal und auch bestimmt nicht am laufenden Band - oder gar als eine typische Art der Borderline-Lebensweise. Vieles hat seine Gründe, z.B. auch die Narzisstische Persnlichkeitsstrung, unter der der ein oder andere Betroffene leidet.
Und wenn es gleichzeitig mit AD(H)S vorkommt, vermittelt dies leicht einen solchen Eindruck, wie es auch das nächste Vorurteil suggeriert:
"Borderliner sind nur Schauspieler, Schaumschläger, Blender und Lügner."
Ab hier wird es leider sehr schwer ein genaueres Entkräftungsbild bei Vorurteilen zu vermitteln, die Verhaltensweisen verallgemeinern, ohne noch mal alles aufzulisten, was alles BPS ausmacht. Und noch viel schwerer fällt es, da hier alles in jeder nur erdenklichen Form kombiniert bei einem Betroffenen zutreffen kann und unser Erklärungs- und Entkäftigungsversuch hier sehr schwammig wirkt. Deshalb verweisen wir zusätzlich auch auf das Wiki Kapitel: Komponenten der BPS, insbesondere dem Teil Sozialverhalten und verwenden dies alles am besten auch gleich als Einleitung für die nächsten Vorurteile, die auch ein paar Dinge zu den letzten Vorurteilen erklärend beisteuern werden.
"Borderliner wollen nur Aufmerksamkeit haben und sich wichtig machen."
Es stimmt ,dass Betroffene durchaus auch Aufmerksamkeit suchen, was auch mit einer ganzen Reihe von verschiedenen Ängsten zu tun haben kann (z.B. Verlassensängste). Doch ist dies auch nur eine verallgemeinernde Aussage, die auf die wenigsten so passend zutreffen mag. Parallel hört man dieses Vorurteil auch gern bei Gelegenheiten, wie es die vorigen Aussagen schon mit AD(H)S und Narzisstische Persnlichkeitsstrung umschreiben.
"Borderliner inszenieren und manipulieren (...aus voller Absicht, damit alle nach ihrer Pfeife tanzen)."
"Borderliner erpressen"
"Borderliner spalten Teams" (gerne in psychiatrischen Kliniken oder im sozialen Bereich genommen)
Drei sehr harte Vorurteile, die auch leider oft zutreffen können - aber dennoch nicht müssen. Dennoch sind gerade diese Aussagen dadurch, die mit Abstand am schwierigsten zu entkräftensten Vorurteile. Doch warum, woher kommt das? Es spielen hier eine Menge an Faktoren eine Rolle - ein regelrechter Mix aus Narzisstischer Persnlichkeitsstrung, Ängsten, das suchen von Aufmerksamkeit, schwarz/wei Denkweise, Idealisieren und Entwerten seiner Mitmenschen und noch etliches mehr, bis hin zum reinen Schutzverhalten eine Rolle. Gerade die letzte Aussage trifft dann zu, wenn in einem Therapeuten/Pflegeteam Personen sehr hoch idealisiert und andere gleichzeitig entwertet werden. Oder auch um irgendwelche Dinge zu erreichen. Mit welchen Mitteln dabei vorgegangen wird ,ist aber sehr individuell und unterschiedlich. In gewisser Hinsicht wird dieses Verhalten ähnlich wie SVV ,als eine Art Ventil zum Druck ablassen, als psychisches Hilfsmittel angewendet, damit es dem Betroffenen in solchen Situationen besser geht, nicht um wirklich jemanden zu schädigen, zum reinen Selbstzweck für sich auszunutzen oder nur aus Spaß Gruppen gegeneinander auszuspielen. Das ist der entscheidende Punkt, den man immer im Hinterkopf behalten sollte, wenn man diese Vorurteile hört, bzw. man in Versuchung gerät etwas in dieser Art zu sagen. So seltsam es klingt, aber es ist einer Art Hilfeschrei ,dass man etwas /jemanden nicht mag aber der Betroffene nicht wirklich weiß, wie er damit umgehen kann, es jemanden sagt und dann instinktiv lieber selbst handelt. Das alles macht es schwer diese Aussagen soweit zu entkräften.
"Sie sind Borderliner? Dass kann ich gar nicht glauben...mit Borderlinern kann man doch keine drei vernünftigen Sätze wechseln ohne dass sie explodieren oder dekompensieren!"
Diese Aussage beruht sicher auch zum Teil auf die ganze Palette von Persnlichkeitsstrungen im Sozialverhalten von Betroffenen. Auch sicher beruhend aus einiges was wir schon vorher gesehen haben. Es gibt noch eine Reihe weiterer dieser Vorurteile, die wir der Kürze halber gleich zusammenfassen wollen:
"Sind irgendwie unberechenbare, nicht therapiefähige Wesen"
"Die sind unberechenbar und völlig krank im Kopf."
"Borderliner sind total aggressiv und werden wegen jeder Kleinigkeit handgreiflich!"
"Borderliner brüllen sofort los"
"Borderliner sind hyperaggressiv"
"Borderliner bedrohen alle ihre Therapeuten"
Wie schon ständig erwähnt, ist BPS eine recht komplexe Form der psychologischen Krankheiten, mit enorm vielen Facetten und möglichen Verhaltensweisen, die bei jedem Betroffenen völlig anders aussehen. Pauschalisieren kann man das nicht, aber tatsächlich ist es leider auch so, das einige Borderline Erkrankten tatsächlich einen Hang zu gesteigerter Aggressivität haben, die sich bei jedem sehr unterschiedlich auswirkt. Allerdings gibt es auch genügend Menschen ,die ein ähnliches Verhalten an den Tag legen, ohne an Borderline erkrankt zu sein. Wenn man nach dem Warum fragt, wenn einem so etwas von einem Betroffene wiederfährt, kommt man wieder auf einen Mischmasch von verschiedenen Möglichkeiten: vor allem Ängste, Emotionaler Druck, Wut, Verzweiflung, spielen hier eine Rolle.
"Borderliner sind grenzüberschreitend..."
Ja, das sind sie tatsächlich oft und je nach Persönlichkeit in verschiedenen Arten, genauso wie sie sich eher zurück ziehen und sogar Angst davor haben können, sich unter Menschen zu wagen. So hart und verletzend es sich jetzt für jeden Betroffene lesen wird, dieses Vorurteil können wir nur sehr schwer entkräften. Denn es ist ein Verhaltensmuster geboren aus der Borderlinestörung, das sehr häufig auftritt. Lediglich die Suggestion dieser Aussage, dass dies immer und mit voller Absicht geschieht und jeder Betroffene dieses Verhalten an den Tag legt, können wir verneinen. Als Information sei noch einmal auf das Wiki Kapitel über Sozialverhalten verwiesen.
"Borderliner sind bösartig..."
Eine Aussage, die wir uns extra für diese Stelle ausgesucht haben, nachdem wir die andere Vorurteile für Aggressivität, Manipulieren und Inszenieren und dergleichen ein wenig abgeleuchtet haben. Dieses Vorurteil gehört eigentlich dazu, und deshalb erklären wir gar nicht erst, woher das kommen mag. Dennoch ist etwas anders an diesem Satz - er definiert klar, dass ALLE Betroffenen bösartig, gemein ,ja vielleicht sogar hinterhältig sind. Doch das ist komplett falsch und ein reines Ammenmärchen. Borderliner sind bis auf diese Krankheit, wie jeder andere Mensch. Es gibt viele liebe Menschen darunter und sicher auch ein paar bösartige. Genauso gut könnte man behaupten das bösartige Menschen an Borderline erkrankt sind - das wird einen keiner glauben können.
"Borderliner sind Sadisten."
Auch diese Aussage haben wir uns bis zu dieser Stelle aufgehoben. Möglich das man wegen auftretendem SVV darauf kam, alle Betroffene als Sadisten zu klassifizieren. Wer verletzt sich denn schon sonst gern und mit voller Absicht? Doch auch dieses Vorurteil können wir getrost zur Gruppe Ammenmärchen einordnen, denn Sadismus ist kein typisches Borderline Verhalten und so mancher Borderliner war eher ungewolltes Opfer durch Vergewaltigung/Missbrauch eines solch sexuell gestörten Triebtäters, wodurch die Borderlinekrankheit erst ausgelöst wurde. Diese Aussage verquert also noch die eigentlichen Tatsachen.
"Borderliner stalken"
Es gibt viele Menschen, die diese Art Verhalten aufweisen können. Es trifft leider auch hier zu, dass es durchaus sein kann, dass ein Borderliner bei jemanden über eine Grenze mit seinem Verhalten geht, weil er die betroffene Person Idealisieren und eventuell auch anschließend entwertet hat. Dennoch ist es kein Verhalten, das grundsätzlich nur Betroffene aufweisen, noch bei jedem vorkommen kann oder muss. Ein ähnlicher Eindruck mag entstehen, wenn in einer Beziehung der Betroffene zu klammern anfängt und gleichzeitig die meist unbegründeten Verlassensängste zum Vorschein kommen. Dennoch ist es grundverkehrt das Stalken nur Borderlinern in die Schuhe zu schieben.
"Borderliner sind unfähig Kinder gesund zu erziehen"
Eine sehr gewagte These. Insofern auch nicht ungerechtfertigt, wenn man an die vielen Probleme denken mag, an denen ein BPS Erkrankter zu leiden hat oder die Verhaltensweisen, die er im allgemeinen sozialen Umfeld an den Tag legt. Aber bis auf diesen Umstand ,sind Borderliner sehr wohl in der Lage Kinder zu erziehen, viele von Ihnen haben welche und ziehen sie, allen Unkenrufen zum Trotz, gesund auf. Es gibt aber hier und da auch Stimmen, die darauf hinweisen, dass die Kinder von Borderlinern selbst an dieser Erkrankung leiden. Ganz ausgeschlossen ist auch das nicht, sogar wegen dem Vorkommen genetisch bedingter Umstände, die vererbt wurden oder wegen ihrem Sozialverhalten bei den Kindern ebenfalls so etwas auslösen könnten - aber wirklich bestätigen kann man das nicht. Genausowenig, wie bei jemanden ,der auch ohne Borderline seine Kinder vernachlässigt, falsch erzieht oder in Extremfällen sogar misshandelt oder missbraucht.
Und zum Schluss noch eine Aussage, die gleichzeitig Vorurteil, Vorwurf, Feststellung, aber auch Galgenhumor sein kann - je nach Situation:
"typisch Bordie"
Wie soll man diesen Satz entkräften? Am besten nur so weit, dass man nicht alles auf Borderlineverhalten deuten sollte und es ein wenig mit Humor sehen muss, wenn man genau weiß, dass sein Gegenüber daran erkrankt ist. Dennoch würden wir Nicht-Betroffenen dazu raten, genauso vorsichtig mit diesen Ausspruch vorzugehen ,wie wir es bei unserem ersten ,hier besprochenen, Vorurteil schon erwähnt hatten.


